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  • Zielkonflikte und Transparenz

    Was beruflich und privat gar nicht geht:

           Versprechungen machen.

           Versprechen nicht einhalten.

           Schweigen.

    Hierbei handelt es sich um ein spannendes, weil alltägliches Phänomen.  Schauen wir uns dies einmal genauer an. Eine Kombination aus Sender-und-Empfänger-Modell in der Verbindung mit der Gewaltfreien Kommunikation bzw. dem Modell der Rational Emotiven Verhaltenstherapie nach Ellis bringt Licht ins Dunkel dieses hübschen Kommunikationssüppchens:

     

    Sender

     

    Empfänger

    „Ich verspreche X,Y“           

    =>

    Interpretation:

    „Super, wir haben eine Absprache.“

    Gefühle:

    Freude, Erleichterung, Glück, …

    Nonverbal: Das Versprechen wird nicht eingehalten.

    =>

    Interpretation:

    „Unzuverlässige Person!“, „Nicht schon wieder.“ „Was tun?“…

    Gefühle:

    Wut => Hilflosigkeit (E kann nichts ändern), Ent-Täuschung (E hat sich das anders vorgestellt), Frust (enttäuschte Hoffnung, dass es diesmal anders sein würde)… (wir sehen hier schon, den emotionalen Fall von Freude zu Ent-Täuschung bis Frust)

    Nonverbal: Schweigen

    =>

    Interpretation:

    Vielfältig = Heimatfilm (siehe meinen Beitrag über das Schweigen)

    Gefühle:

    Wut => Hilflosigkeit bis Ohnmacht (hier kann E nur für sich selber sorgen und verliert den Kontakt zu S – wie gut dass S den Kontakt durch das Schweigen schon vorsorglich unterbrochen hat), totale Verwirrung (Was soll / kann ich tun?), Traurigkeit (Wie soll / kann ich mit solch einem Verhalten umgehen, das ich vermutlich nicht mag?)…

     

    Die Empfänger-Seite ist damit beleuchtet. Was aber ist beim Sender los? Ich möchte mal Zielkonflikte und eine Schwäche im Bereich Grenzen setzen unterstellen. Wir kennen es doch alle: Überall will man etwas von uns und am besten schon gestern. Und man selber will auch so viel: Deadlines im Job einhalten, für die Kinder gutes Essen kochen, gleichzeitig eine gute Partnerin sein und rechtzeitig alle Weihnachtsgeschenke beisammen haben…. die Liste endet nie. Und dann kollabiert das System. Unser prototypischer Sender duckt sich weg. Er ist vermutlich schutzbedürftig, denn wenn man ein Versprechen nicht hält, droht Ärger (das wissen wir gut aus unserer Kindheit) und, was vermutlich noch schlimmer ist, Selbstwertverlust, weil ich meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden bin.

    Was tun?

    1.     Ordnung schaffen
    Was sind meine Ziele?
    Was habe ich vor?
    Wo will jemand, der mir wichtig ist, etwas von mir?
    Wie viel Zeit habe ich für die einzelnen Dinge zur Verfügung?
    Praxis-Tipp:
    Schriftlich planen mit To-Do-Listen und Kalendern
    Pufferzeiten einplanen (man kann es ja nicht oft genug sagen)

    2.     Grenzen erkennen
    Wann kann ich nicht mehr?
    Wann sind meine körperlichen Grenzen erreicht?
    Woran erkenne ich das?

    3.     Klarheit schaffen
    So schnell wie möglich die Ergebnisse von 1 und 2 kommunizieren.
    Eine Auswahl von Lösungen anbieten und einen Ausgleich schaffen:
    Wie geht es besser?
    Was kann ich wann und wie tun, um den Schaden zu minimieren oder die Sache anders oder sogar noch besser zu machen?
    Was kann ich tun, damit ich meine Ziele doch verfolge, aber eben nicht nach dem ursprünglichen Plan?

    4.     Auf die Schulter klopfen
    Sie haben für sich und andere Klarheit geschaffen. Sie haben tolles erreicht und dürfen feiern.
    Vorher aber noch eine Frage:
    Wie kann ich dafür sorgen, dass ich das hier gelernte nicht vergesse?

     

     


    Mit wem redest Du überhaupt? Oder: Ich glaub’, ich bin im falschen Film.
    Bunte_schatten_klein

    Manchmal komme ich mir vor, als würde mein Gegenüber nicht mit mir, sondern mit jemand ganz anderem reden. Ich, was ich denke zu sein, also meine Selbstdefinition wird zur Projektionsfläche. Mein Gegenüber macht sich ein Bild von mir, dass mit der Wahrnehmung meines Selbst, in dem Moment, wo ich den Gedanken „Mit wem redet er / sie jetzt?“ denke, nichts oder fast nichts zu tun hat.
    Aus dem Gehirn eben dieser Person legt sich ein Hologramm über mich, dass mich an die hübschen 3D-Botschaften aus Star Wars erinnert. Ich erscheine in einem grünlichen Duplikat meiner Ich-Konstruktion, die sich über mich als Ganzheit, als Vorstellung meiner Selbst, als Ergebnis eines immerwährenden Abgleichs mit der Wirklichkeit, als Mensch mit Seele und Herz, legt. Dieses Hologramm meiner Selbst ist Ergebnis von Wünschen, Hoffnungen und Vorerfahrungen meines Gegenübers. Sein schutzbedürftiger Charakter muss unbewusst und mechanisch massive Filter über seine Wahrnehmung legen, mich in handhabbare, kleine Päckchen zerlegen, die seine Ängste nicht wecken. Die Dressur des wilden Tieres, dass nur, wenn es Männchen machen kann anstelle der kraftvollen Jagd nachzugehen, ungefährlich erscheint. Ein trügerischer Schein, wie wir bei Siegfried und Roy sehen konnten.
    Und welchen Preis zahlt mein Gegenüber? Es verzerrt, enthauptet und zerstört die Schönheit eines besonderen Menschen. Ich werde kein Einzelfall sein, so muss ich annehmen, dass die Wirklichkeitskonstruktion insgesamt stark verzerrt wird, wie eine höhere Dimension in der Nähe schwarzer Materie. Tunnelblicke auf die Wirklichkeit im Angesicht wechselnder Wurmlöcher. Was nicht passt, wird passend gemacht.
    Eine Folge ist der Heimatfilm. Ich scheine gecastet für die Hauptrolle in dem aktuellen persönlichen Heimatfilm meines Gegenübers. Im Unterschied zu gängigen Besetzungsverfahren, bekomme ich keine Gage und vor allem wurde mir nicht gesagt, welche Rolle ich hier eigentlich spielen darf. Dass ich eine Rolle spiele, wird mir auch erst klar, wenn ich aus der enggesteckten Vorstellung meines Regisseurs ausbreche. Da ich gebucht wurde ohne es zu wissen, kann ich die Rolle nicht spielen, sie nicht zu vollster Zufriedenheit des Regisseurs ausfüllen. Ich muss scheitern. Der Regisseur selbst muss ebenfalls scheitern, denn in dem er nicht nur ein Kunstwerk schafft, sondern eine, eben seine Wirklichkeit und versucht erheblichen Einfluss auf meine Wirklichkeit zu nehmen, erhebt er sich zum Schöpfer, der er nicht sein kann, der Einfluss nehmen will auf Dinge, die sich seiner Einflussnahme entziehen: Einen Menschen in all seiner Komplexität kann man nicht in solch brutaler Weise reduzieren, filtern, passend und gefügig machen, beschneiden, eingliedern und kontrollieren. Und tut er es doch, so wird er ewig Sklave seiner im Keller eingeschlossenen Dämonen, Ängste, kindlichen Schrecken und schlimmsten Alpträume bleiben.


    Zielgerichtetes und nachhaltiges Handeln

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    Woran bemesse ich den Erfolg meiner Handlungen? Vermutlich daran, dass das, was ich erreichen wollte eingetreten ist. Dies ist meiner Meinung nach der Minimalanspruch von zielgerichteten Handeln. Doch, weil wir nicht alleine in der Welt sind, möchte ich noch eine zweite Regel einführen. Mein Handeln sollte möglichst keinen oder einen zu minimierenden Schaden an mir, der Welt und den betroffenen Menschen hinterlassen, aktuell und als Folge meines Handelns. Und wie erreiche ich das? Ich kann Sie beruhigen, es ist gar nicht so schwer und ich empfehle Ihnen erst einmal die Bewusstmachung von Gefühlen und Intentionen bzw. Motivationen. Da Sprache Wirklichkeit erschafft und Struktur gibt, empfehle ich folgende Fragen:

    1.       Ziel definieren
    Was möchte ich?
    Was ist mein Ziel?
    Was möchte ich erleben und erfahren?
    Möchte ich vielleicht nicht nur eine Sache, sondern zwei? Obacht: Zielkonfliktalarm!

    2.       Handlungsstrategie auswählen
    Welche Möglichkeiten gibt es, mein Ziel zu erreichen?
    Was kann ich konkret tun, um das zu erleben oder zu erfahren, was ich mir wünsche?
    Was sind meine Lieblingsstrategien?
    Wie mache ich es sonst?
    Macht eine meiner Lieblingstrategien aus einem anderen Kontext hier vielleicht Sinn?
    kann ich jemanden fragen, der vielleicht eine tolle Idee hat, wie ich es machen kann?

    3.       Neben- und Fernwirkungen ermitteln:
    Welche Nebenwirkungen hat mein Handeln?
    Sind die Nebenwirkungen auf mich, die Umwelt / Umgebung und die Menschen um mich herum für mich tragbar?
    Welche Fernwirkungen (zeitliche Komponente) hat mein Handeln auf mich, die Umwelt / Umgebung und die Menschen um mich herum?
    Kann und möchte ich mit diesen Fernwirkungen leben / kann ich sie mit mir vereinbaren?
    Wenn nein, was kann ich ändern, damit mein Verhalten  mit meinen Werten und Glaubenssätzen stimmig ist.

    Und wenn Sie jetzt denken „Das ist aber umständlich und kompliziert“, kann ich sie beruhigen. Unsere menschlichen Gehirne sind solch ein Wunder und so unglaublich lernfähig, dass sich diese Fragen in kürzester Zeit automatisieren. Ihr Körper, inklusive Herz und Seele, die Welt, und ihre Mitmenschen werden es Ihnen danken, denn mit dem Handeln, das auf diesen Frage aufbaut, schaffen Sie Vertrauen und Kontakt durch Transparenz, Klarheit und Verbindlichkeit.

     


 

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